Der Abend kommt so schnell
Sonja Lerch -
Münchens vergessene Revolutionärin
Der Abend kommt so schnell von Autorin Cornelia Naumann
Januar 1918. Ein Ende des Krieges ist nach vier quälenden Hungerjahren noch immer nicht ab­zusehen. Da taucht in München eine schwarz­haarige Frau auf wie aus dem Nichts.

Eine Woche lang mobilisiert sie an der Seite Kurt Eisners einen pazifistischen Aufstand: durch Generalstreik will sie den Krieg endlich beenden, den König verjagen und die Republik ausrufen. Eine Woche lang hält sie flammende Reden gegen den Krieg, ruft die Arbeiter der Rüstungsfabriken zum Streik, rennt von Versammlung zu Versam­mlung. Dann ist sie plötzlich verschwunden, hinter Neudecks Gefängnismauern: festgenommen wegen Landesverrat.

Der Name der mutigen Frau: Sarah Sonja Rabinowitz-Lerch (1882-1918), später verächtlich "russische Steppenfurie" genannt. In der Zeitung erscheint eine Notiz: der Gatte, Professor Lerch, sagt sich öffentlich von Sonja los, er will seine Universitätskarriere durch das skanda­löse Ver­halten seiner Frau nicht gefährden. Einzig Fritzi, eine junge Munitionsarbeiterin, besucht Sonja im Gefängnis.
Nach wenigen Wochen stirbt Sonja unter mysteri­ösen Umständen in einer Isolierzelle im Gefängnis Stadelheim. Selbstmord aus Liebes­kummer? Oder war alles ganz anders?

Cornelia Naumann, Autorin und Dramaturgin, hat dem Leben der tapferen, völlig unbekannten Leben einer russischen Jüdin in München nachgespürt und fördert Erstaunliches zutage. In diesem Roman ist alles wahr, auch das Erfundene.

erschienen bei Gmeiner
ISBN 978-3-8392-21990