Aus Karoline ein fahrendes Frauenzimmer von Autorin Cornelia Naumann

Karoline
Carola von Seckendorff (Karoline), Busso Mehring,
Gabriele Schulze und Tarik Qazi.
Fotos Detlev Kügler
KAROLINE, EIN FAHRENDES FRAUENZIMMER

Schauspiel über Karoline Schulze, Schauspielerin im 18. Jahrhundert

2D, 2H, wechs. Dek.
U Wolfgang Borchert Theater Münster 1995

Aufführungsrechte


Presse
Nürnberger Nachrichten:
vom 11.7.1995
„Gut wird die Bruchstelle zwischen freier Selbst­entfaltung und bürgerlichen Normen gezeigt. Als die Hochzeitsgäste gegangen sind, der Ehemann er­schöpft über den abgegessenen Tellern eingeschlafen ist, fragt sich Karoline, ob das nun wirklich das Leben ist, das sie sich wünschte. ... Für die Uraufführung des gut gearbeiteten Stücks im Wolfgang Borchert Theater in Münster fand Wolfgang Rommerskirchen überzeugende Lösungen und ließ betont komödiantisch in raschem Tempo spielen.“
  „Der Abend gehört vor allem der hochtalentierten Carola von Seckendorff, die der Karoline ein überschäumendes Temperament, fröhlichen Enthusiasmus und Momente der Trauer in unglaublich vielen Farben gibt.“

Westfälische Nachrichten, 1.7.1995


Karoline
„Im Mittelpunkt der Geschichte um Theatertradition und menschliches Schicksal steht Karoline Schulze, gefeierte und umjubelte Schauspielerin in der Zeit zwischen Lessing und Goethe. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angelangt, verlässt sie die Bretter, die die Welt bedeuten, um den Hamburger Bürger Kummerfeld zu heiraten. Im Theater und in der fahrenden Truppe groß geworden, träumt sie vom bürgerlichen Leben, vom eigenen Haus und liebenden Mann. Doch bereits bei der Hochzeit muß sie erfahren, daß für eine Schauspielerin kein Platz in der bürgerlichen Gesellschaft vorgesehen ist, gilt doch ein Mädchen vom Theater als flatterhaft und verrufen.

Neun Jahre später, nach dem Tod ihres Mannes, versucht sie, ihre früheren Bühnenerfolge zu wiederholen. Doch vieles hat sich geändert. Für Karoline bleibt nur noch Platz in der Rolle der komischen Alten. Tief enttäuscht verlässt sie das Theater und zieht nach Weimar, um dort eine Nähschule für Mädchen zu erüffnen ...

Cornelia Naumann war begeistert von den Memoiren der temperamentvollen, unkonventionellen Frau. In elf Bildern läßt sie verschiedene Stationen im Leben der Kummerfeld in wirren Träumen, Gesprächen und Monologen Revue passieren ... gelungene Uraufführung!“

Leseprobe
 
Karoline:(leise zu Doebbelin) Denkst du, ich tu es nur deshalb?
Doebbelin:Liebst du ihn denn?
Karoline:Er schrieb mir einhundertundneun Liebesbriefe.
Doebbelin:Wer schreibt, rast nicht.
Karoline:Nein, keine Raserei, kein Gezier, keine phantastische Schwärmerei. Nach deinem Geschmack wäre es nicht.
Doebbelin:Karoline! Du spielst nicht Komödie! Dies ist dein Leben!
Karoline:Mein Mann soll mich lieben, nicht anbeten oder vergöttern.
Doebbelin:Ich bete dich an, ich vergöttere dich. Das weißt du.
Karoline:Laß mich los!
Doebbelin:Ein Mädchen vom Theater, ohne Vermögen, katholisch: und ein Hamburger Protestantenstempel?
Karoline:Laß mich los, sag ich! – Er ist geistreich und humorvoll.
Doebbelin:Ich will dich immer festhalten.
Karoline:Ja, als deine Mätresse.
Doebbelin:Wir sind Fahrende, Karoline. Bürgerliche Moral ist nichts für uns.
Karoline:Das eben ist es: du sagst uns, aber meinst nur dich. Was gut ist für dich, ist eben nicht gut für mich! Hab keine Juristerei studiert! Bin auf dem Theater geboren und will endlich das Leben, dem du entflohen bist und das du so verachtest.
Doebbelin:Wirst nur eine andere Rolle spielen!
Karoline:Du bist ein Glücksspieler. Ich will das wahre Glück.